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KONSENSUSBESCHLUSS

WBF-EXPERTENFORUM 2013

4. Juni 2013

Präambel

Die Aussagen, die der WBF über mögliche Gesundheitseffekte – als Folge der Exposition gegenüber hochfrequenten elektromagnetischen Feldern (vor allem Mobilfunk) – macht, basieren auf den Ergebnissen von 105 wissenschaftlichen Arbeiten des Jahres 2012.

Für eine korrekte Interpretation der Daten ist es wichtig, einen Einblick in die Qualität der Untersuchungen zu haben. Informationen über den Aufbau der Untersuchung und die Art der Exposition, über die Datengewinnung, die Datenzusammenstellung und die Datenanalyse sind notwendig.

Die wissenschaftliche Qualität der einzelnen Studien ist unterschiedlich und wurde bei der Gesamtbeurteilung berücksichtigt.

Mobilfunk und Befindlichkeit

Störungen der Befindlichkeit durch hochfrequente elektromagnetische Felder der Mobilfunkeinrichtungen sind nach heutigem Kenntnisstand nicht nachweisbar.

Die räumliche Distanz zu Mobilfunksendern allein ist kein geeigneter Parameter, um die tatsächliche Exposition zu erheben.

Mobilfunk und Nervensystem

Kognitive Fähigkeiten
Nach dem derzeitigen Stand der Forschung sind Auswirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder auf kognitive Funktionen auszuschließen.

Gehirnaktivität
Für einzelne physiologische Parameter (im Wach-EEG, insbesondere die Alpha-Aktivität; im Schlaf insbesondere die Spindelaktivität) sowie in zerebralen Durchblutungswerten werden unterschiedliche Veränderungen nach Exposition gefunden.

Eine Relevanz für die Gesundheit konnte nicht nachgewiesen werden.

Mobilfunk und Gentoxizität

Trotz einer Reihe neu publizierter Arbeiten wurden im Berichtszeitraum keine neuen Erkenntnisse gewonnen.

Die Frage möglicher gentoxischer Wirkungen bedingt durch Mobilfunk ist nach wie vor in Diskussion und nicht endgültig geklärt. Bisher liegt kein gesicherter Nachweis einer gentoxischen Wirkung in-vitro und in-vivo vor.

Mobilfunk und Kinder

Infolge unterschiedlicher Geometrie und Gewebseigenschaften des kindlichen Kopfes sind bisher vorliegende Expositionsmodelle für erwachsene Personen nicht auf Kinder übertragbar und können zu einer Unterschätzung der Absorptionsrate führen.

Derzeit gibt es keine Studien, welche eine besondere Empfindlichkeit von Kindern gegenüber der Exposition durch Mobilfunk belegen. Allerdings ist die diesbezügliche Datenbasis unzureichend.

Mobiltelefone und Zeugungsfähigkeit

Die wenigen vorliegenden Studien sind mit gravierenden methodischen Schwierigkeiten behaftet und lassen keinen nachhaltigen Einfluss von Mobilfunk auf die Zeugungsfähigkeit erkennen.

Mobilfunk und HNO

Fehlfunktionen des Ohres (z.B. Tinnitus) konnten nicht nachgewiesen werden. Untersuchungen der Häufigkeit von Tumoren der Ohrspeicheldrüse ergaben keinen Hinweis auf ein erhöhtes Risiko.

In-vitro Laboruntersuchungen zeigten vorübergehende Änderungen der Nasenschleimhautfunktion, deren gesundheitliche Relevanz allerdings unklar ist.

Mobilfunk und Tumorentwicklung

Aus epidemiologischer Sicht kann derzeit keine gesicherte und endgültige Aussage zur Mobilfunk-Technologie im Hinblick auf Risiko oder Nicht-Risiko für Krebserkrankungen getätigt werden.

Aufgrund der Unsicherheit (lange Latenzzeit, Problematik der geeigneten Expositionserfassung) bisher vorliegender Ergebnisse von Studien zum Zusammenhang von Mobilfunknutzung und Entstehung von Krebserkrankungen wird weiterhin ein sorgsamer Umgang mit der Mobiltelefonie empfohlen, bis eine entsprechend große Anzahl qualitativ hochwertiger Studien vorliegt und eine endgültige Einschätzung eines möglichen Risikos erlaubt.

Dosimetrie

Es gibt Hinweise darauf, dass die in standardisierten Testverfahren von Mobiltelefonen eingesetzten Kopfnachbildungen nur einen kleinen Teil der Bevölkerung repräsentieren und es zu einer Unterschätzung der tatsächlichen Exposition kommen kann. Es wird empfohlen, diese neuen Erkenntnisse im Zuge der Überarbeitung von für die Zulassung von Mobiltelefonen benötigten Verfahren zu berücksichtigen.

Telefoniert man mit dem Handy am Ohr, so kann die eigene Hand die Kopfexposition geringfügig verändern.

Bei Verwendung von Femtozellen (Indoor-Basisstationen mit geringer Sendeleistung) zeigt sich, dass es zu einer Verringerung der Exposition von Mobiltelefonbenutzern kommen kann. Der verstärkte Einsatz von Femtozellen könnte daher zu einer Reduktion von Exposition führen.

Insgesamt hat sich die Qualität der Expositionserfassung in den meisten Studien verbessert. In mehreren Fällen liegen aber nach wie vor beträchtliche dosimetrische Mängel vor, die tragbare Schlussfolgerungen auf Basis dieser qualitativ mangelhaften Studien verhindern.

Allgemeine Aussagen

Die aktuelle Datenlage bestätigt die bisherigen Erkenntnisse des WBF: Eine unmittelbare Gefährdung der Gesundheit durch Mobilfunk ist nicht gegeben.

Allerdings gibt es auch weiterhin eine Reihe offener Fragen:
- Mögliche gesundheitliche Langzeitfolgen
- Mögliche Auswirkungen speziell auf Kinder
- Unklarheit über mögliche Mechanismen gentoxischer Wirkungen
- Unklarheiten bei der Expositionserfassung

Daraus leiten sich folgende Empfehlungen des WBF ab:
- Optimierung der Standardisierungsverfahren zur 
  Expositionserfassung
- Untersuchungen zu grundlegenden Mechanismen nur dann, 
  wenn sich entscheidende neue Ansatzpunkte ergeben
- Durchgehende Beachtung der „Good Laboratory Practice“

Angesichts der nach wie vor bestehenden offenen Fragen, empfiehlt der WBF grundsätzlich einen umsichtigen Umgang bei der Verwendung der Mobilfunktechnologie.


Rückfragehinweis

Zu inhaltlichen Fragen:

Univ.-Prof. i. R. DI Dr. Norbert  Vana  (Vorsitzender des WBF) 
Technische Universität Wien, Atominstitut der Österreichischen Universitäten
E-Mail: vana@ati.ac.at

Univ.-Prof. Dr. Christian  Wolf (Stv. Vorsitzender des WBF)
Facharzt für Innere Medizin sowie Arbeits- und Betriebsmedizin
E-Mail: christian.wolf@meduniwien.ac.at


Zu organisatorischen Fragen, Fotos u.ä.:

HERZER COMMUNICATIONS

Barbara Waldenmair-Herzer
Tel: +43 (1) 505 93 22-0
E-Mail: waldenmair-herzer@herzer.co.at

oder

Mag. Edith Weindlmayr-Mut
Mobil: 0664/121 81 67
E-Mail: edith.weindlmayr@herzer.co.at

Dieses Dokument als PDF:  2013_Expertenkonsens.pdf

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