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Presseinformation

WBF-EXPERTENFORUM 2008 — WBF gibt Entwarnung:
Von einer Gefährdung der Gesundheit kann anhand der aktuellen Studienlage nicht ausgegangen werden!

Wien, 23. April 2008

Seit Dezember 2007 ist der — 2004 als unabhängige interdisziplinäre Expertenkommission gegründete — „Wissenschaftliche Beirat Funk“ (WBF) offizielles beratendes Gremium des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT).
Am WBF-Expertenforum 2008 (Konsensus-Konferenz) nahmen 12 Wissenschafter aus Naturwissenschaft und Medizin teil; einerseits die im WBF vertretenen Experten und andererseits eine Reihe externer Experten aus Deutschland und Österreich.
Nach eingehender Analyse, Bewertung und Diskussion von insgesamt 68 wissenschaftlichen Studien/Arbeiten, die zwischen August 2006 und Jänner 2008 publiziert wurden, kamen die Experten — einstimmig — zu folgendem Konsens:
Es gibt keinen Beweis, dass es bei Einhaltung der Grenzwerte eine gesundheitliche Gefährdung im Umgang mit dem Mobilfunk gibt.

Der „Wissenschaftliche Beirat Funk“ (WBF) — beratendes Gremium des BMVIT

Der WBF wurde 2004 auf Initiative einiger österreichischer Wissenschafter gegründet, mit dem Ziel, die öffentliche Diskussion über die Auswirkungen des Mobilfunks auf die menschliche Gesundheit auf wissenschaftlicher Basis zu führen. Im Dezember 2007 berief der Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie den WBF zu seinem offiziellen beratenden Gremium in allen Fragen rund um die Thematik „Mobilfunk und Gesundheit“, wobei der WBF nach wie vor in seiner Expertise und in seinem Selbstergänzungsrecht vollkommen unabhängig ist.

Das WBF-EXPERTENFORUM 2008 mit externen Experten aus dem In- und Ausland

Seit seiner Gründung im Jahr 2004 sondiert der WBF in regelmäßigen Abständen die aktuelle internationale Studienlage, analysiert und bewertet diese nach wissenschaftlichen Kriterien und fasst seine Beurteilung der Situation — unter Einbeziehung externer Fachleute — in einem Konsensus-Papier zusammen.
In das WBF-EXPERTENFORUM 08 waren erstmals nicht nur österreichische, sondern auch deutsche Experten involviert. Die externen Experten referierten u.a zu folgenden Fachgebieten: Mikrobiologie/Genetik, Tumorentwicklung/Krebs, Umwelthygiene und Präventivmedizin, Ohrenerkrankungen, Urologie sowie
Mobilfunk und Kinder.
„Nicht nur die Zahl der wissenschaftlichen Studien zum Thema ‚Mobilfunk und Gesundheit‘ ist in den letzten beiden Jahren angestiegen, auch jene der erfassten Fachgebiete. Deshalb haben wir weitere Wissenschafter zur Mitarbeit eingeladen“, so Univ.-Prof. DI Dr. Norbert Vana, Professor an der TU Wien (Atominstitut der Österreichischen Universitäten, Bereich „Strahlenphysik, Strahlenschutz, strahlenphysikalische Archäometrie, nukleare Messtechnik“) und Vorsitzender des WBF.

Auswahl und Bewertung von Studien nach wissenschaftlichen Kriterien

Studien, die vom WBF zur Meinungsbildung herangezogen werden, müssen wissenschaftlichen Mindestanforderungen entsprechen. Dazu gehören Kriterien wie Nachvollziehbarkeit, Reproduzierbarkeit, eindeutig nachgewiesene Kausalität und die klare Unterscheidung zwischen biologischen und tatsächlich gesundheitsrelevanten Effekten.
Zusätzlich erforderlich sind die Konzeption, Leitung und Durchführung der Studie durch wissenschaftlich allgemein anerkannte Experten sowie die Publikation der Arbeit in einem ebensolchen Fachmedium.
Dazu Univ.-Prof. Dr. Christian Wolf, Leiter der Arbeitsmedizinischen Ambulanzen an der Wiener Universitätsklinik für Innere Medizin II und Stv. Vorsitzender des WBF: „Für unseren Experten-Konsens ist das wissenschaftliche Gesamtbild ausschlaggebend. Unsere Aussagen werden nie an einer einzelnen Studie festgemacht. Nicht selten erweisen sich — auf den ersten Blick wissenschaftlichen Kriterien durchaus entsprechende — Arbeiten bei genauerer Prüfung als mangelhaft oder nicht aussagekräftig.“
Im Rahmen des WBF-EXPERTENFORUMS 2008 wurde grundsätzlich festgestellt, dass sich die wissenschaftliche Qualität der Studien in den letzten Jahren weiter verbessert hat. „Diese Entwicklung ist sehr zu begrüßen. Wir haben alle Studien auch in Hinblick auf die Erfüllung dosimetrischer Gesichtspunkte analysiert und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass nur mehr rund 10% der Arbeiten eine unzureichende Dosimetrie aufweisen“, betont Prof. Vana.
Ein interessanter Aspekt sei auch — so Prof. Vana — die wichtige Rolle des Auftraggebers von Studien: Die höchste Qualität (Design, Auswertung) findet sich bei Studien, die von der öffentlichen Hand und der Industrie gemeinsam finanziert wurden. Bei Studien, die durch staatliche Stellen oder Non-Profit-Organisationen allein finanziert wurden, zeigte sich eine Überschätzung der Effekte, bei nur von der Mobilfunk-Industrie in Auftrag gegebenen Arbeiten eine Unterschätzung. Bei der Interpretation von Studien sollte also auch der Auftraggeber mitberücksichtig werden.

WBF-EXPERTENFORUM 2008 — die Ergebnisse im Detail

Für das WBF-Expertenforum 2008 wurden insgesamt 68 — zwischen August 2006 und Jänner 2008 publizierte — wissenschaftliche Studien und Arbeiten ausgewählt, geprüft und bewertet.
Im Rahmen des Konsensus-Meetings am 21. April 2008 kamen die Wissenschafter — Mitglieder des WBF und externe Experten — zu folgenden einstimmigen Beschlüssen:

Mobilfunk und Nervensystem

Kognitive Fähigkeiten

  • In einigen Studien wurden Veränderungen einzelner kognitiver Parameter (z.B. Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Reaktionszeit) gefunden, die auch bei anderen alltäglichen Reizen auf das Nervensystem auftreten. Die beobachteten Effekte sind grundsätzlich reversibel.
  • Gesundheitsschädliche Einflüsse auf kognitive Fähigkeiten sind nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft nicht nachgewiesen.

Hirnstromaktivität (EEG)

  • Die EEG-Studien liefern uneinheitliche Ergebnisse.
  • Die Hirnstromaktivität zeigt beim Menschen große individuelle Unterschiede.
  • Änderungen einzelner Parameter sind für die Gehirnfunktion typisch.
  • Bisherige Studien lassen keinen Schluss auf gesundheitsschädigende
    Wirkungen zu.

Schlaf

  • Sofern von Effekten berichtet wurde, lagen diese innerhalb der natürlichen Schwankungsbreite.
  • Keine Störung der Schlafqualität.

Mobilfunk und Befindlichkeit

Störungen der Befindlichkeit durch elektromagnetische Felder der Mobilfunkeinrichtungen können nach heutigem Kenntnisstand ausgeschlossen werden.

Mobilfunk und Tumorentwicklung

Aufgrund der vorliegenden epidemiologischen Studien ist zurzeit nicht von einem erhöhten Risiko für Tumorerkrankungen, insbesondere von Hirntumoren, durch die Nutzung von Mobiltelefonen auszugehen. Bezüglich der Langzeitwirkungen kann aufgrund der bereits vorliegenden Studien kein abschließendes Urteil gebildet werden. Zurzeit werden einige Studien durchgeführt, deren Ergebnisse abzuwarten sind, insbesondere jene der Interphone-Studie sowie jene an Personen mit Mobiltelefonnutzung von mehr als 10 Jahren.

Mobilfunk und Ohr

Änderungen der Hörleistung oder ein Einfluss auf die Funktion des Gleichgewichtssystems durch Exposition der Mobiltelefonie konnten nicht nachgewiesen werden. Nach der heutigen Datenlage werden weder das Innenohr noch der Hörnerv oder Hörzentren im Gehirn beeinflusst.

Mobilfunk und Spermienqualität

Bisher gibt es nur wenige Studien auf diesem Gebiet. Sofern in einzelnen Studien Effekte auf die Qualität der Samenzellen gesehen wurden, sind diese aufgrund methodischer Probleme nicht aussagekräftig. Insbesondere kann aus diesen Daten keine Abnahme der Fruchtbarkeit abgeleitet werden.

Gentoxikologie und Mobilfunk

Die vorliegenden Studien liefern keine überzeugenden Beweise zu gentoxischen Effekten des Mobilfunks.

Mobilfunk und Kinder

Es gibt keine Daten, welche eine höhere Empfindlichkeit von Kindern zeigen. Die Absorption in Ganzkörper und Kopf ist umso höher je geringer Alter und Körpergröße sind. Aus dieser tendenziell höheren Exposition kann keine größere Gefährdung abgeleitet werden.

Allgemeine Aussagen

Der Wissenschaftliche Beirat Funk kommt zu dem Schluss, dass die gegebenen Grenzwerte ausreichend sind. Es gibt keinen Beweis, dass es bei Einhaltung der Grenzwerte eine gesundheitliche Gefährdung im Umgang mit dem Mobilfunk gibt.
Obwohl sich die Qualität der in den letzten zwei Jahren erschienenen Studien im Allgemeinen stark verbessert hat, gibt es in folgenden Bereichen Forschungsbedarf:

  • Epidemiologische Studien zu möglichen Langzeiteffekten bei Kindern und Erwachsenen
  • Grundlagenforschung zu Mechanismen und Modellen
  • Weitere dosimetrische Untersuchungen zur Energieaufnahme im menschlichen Körper

Der WBF stellt fest, dass im Hinblick auf die Einführung und Verwendung neuer Technologien grundsätzlich ein umsichtiger Umgang mit diesen Technologien sinnvoll ist.

Dieses Dokument als PDF:  2008_Expertenkonsens.pdf

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