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In Österreich gibt es heute ca. 30.000 Personen, die einen Herzschrittmacher zur Überwachung und unter Umständen Unterstützung ihrer Herzfunktion tragen. Moderne Herzschrittmacher haben nur noch die Größe einer Briefmarke und sind nur wenige Millimeter dick. Sie bestehen aus einem Mikroprozessor, einer Batterie und Elektroden, die Impulse zum Herzmuskel senden und von diesem erhalten. Die Batterie muss nur noch im Abstand von mehreren Jahren gewechselt werden (je nachdem, ob das Gerät viele Impulse abgeben muss oder nur selten).

Grundsätzlich kann die Störung eines Herzschrittmachers durch die Felder des Mobilfunks nicht ausgeschlossen werden, jedoch ist dies durch den Einsatz von speziellen Filtern in neueren Schrittmachern eher ein theoretisches Risiko. Bei Einhaltung vorbeugender Maßnahmen, wie z.B. die Wahrung eines Abstandes von etwa 20 cm zwischen Herzschrittmacher und Handy, muss keine Störung befürchtet werden. Schrittmacherträger können ohne weiteres mit dem Handy telefonieren, sie sollten aber das eingeschaltete Mobiltelefon nicht direkt über dem Schrittmacher tragen, z.B. in der Brusttasche.

Vorsorglich raten die Hersteller von Herzschrittmachern beim Gebrauch von Mobiltelefonen die Konsultation des behandelnden Arztes. Auch schlagen sie vor, bei der Benutzung eines Mobiltelefons möglichst das auf der entgegen gesetzten Seite des Schrittmachers gelegene Ohr zum Telefonieren zu benutzen sowie das Handy nicht in der Brusttasche, sondern z.B. eher in der Gürtelregion zu tragen.

Vorbeugend kann man bei der Schrittmacherkontrolle die mögliche Interaktion zwischen dem eigenen Handy und dem Schrittmacher überprüfen lassen. Bei Auftreten von Interaktionen zwischen den beiden Geräten sollte die Wahrnehmungsempfindlichkeit des Schrittmachers möglichst niedrig eingestellt werden.

Aufbau eines Herzschrittmachers

Die Bestandteile eines Herzschrittmachers sind in einem gewebefreundlichen Titangehäuse untergebracht:

  • Für die Energieversorgung werden Lithium-Jod-Akkus eingesetzt, die eine Lebenszeit von ca. 10 Jahren haben.
  • Der Mikroprozessor kontrolliert alle Funktionen des Herzschrittmachers.
  • Die Schrittmacherelektroden stellen die Verbindung zwischen Schrittmacher und Herz her. Sie bestehen aus dem Stecker zum Anschluss an den Herzschrittmacher, dem Elektrodenleiter und der Elektrodenspitze. Die mit Silikon isolierten Elektroden haben einen Durchmesser von ca. 2 mm. Es gibt zwei Typen von Elektroden. Bei unipolaren Elektroden wird das Signal nur in eine Richtung geleitet, und bei bipolaren wird das Signal zweipolig geleitet. Die Erfassung des Herzsignals und die Stimulation des Herzmuskels erfolgen in der Regel über ein- und dieselbe Elektrode. Die Verankerung im Herzmuskel kann aktiv, mittels Schraubenelektroden im Muskelgewebe, fixiert werden oder passiv, mit Ankerelektroden, durch Festhaken an den Muskelfasern erfolgen.
Bild eines Herzschrittmachers
Quelle: Jens Goetzke/pixelquelle.de

Herzschrittmacher werden mittels externer Geräte programmiert. Die Neuprogrammierung bzw. Abfrage erfolgt heutzutage mit Hilfe eines Programmierkopfes, der auf die Haut des Patienten über der Position des Schrittmachers gelegt wird. Dabei werden die Schrittmacherparameter sowie diagnostische Werte übertragen und ausgewertet. Anschließend werden die aktualisierten Parameter in den implantierten Herzschrittmacher zurückgeladen. Für eine Funktionskontrolle bzw. Programmierung ist somit keine neue Operation notwendig.

Es gibt zwei Arten von Herzschrittmachern:

Nach der Funktionsweise lassen sich folgende Herzschrittmacher unterteilen:

Es gibt viele Kombinationsmöglichkeiten von Schrittmachergeräten und Elektroden. Die einzelnen Schrittmachertypen werden mit Buchstabenkombinationen einheitlich und eindeutig gekennzeichnet. Dabei wird der Ort der Stimulation und der Wahrnehmung sowie die Betriebsart, die Programmierbarkeit und die Arrhythmie-Funktion beschrieben.

Störung von Herzschrittmachern durch Mobilfunk

In einer Erhebung des Forschungszentrum Seibersdorf (ARCS) zum aktuellen Stand der Forschung auf dem Gebiet der Wirkung elektromagnetischer Felder wurde auch die Beeinflussung von elektronischen Implantaten untersucht: „In den letzten Jahren wurden mehrere Untersuchungen über die mögliche Beeinflussung von Herzschrittmachern durch Mobiltelefone durchgeführt. Insgesamt kann geschlossen werden, dass bei Berücksichtigung bestimmter Vorsichtsmaßnahmen mit keiner Gefährdung von Herzschrittmacherträgern zu rechnen ist. Der Träger des Schrittmachers sollte das eingeschaltete Handy nicht in der Brusttasche vor dem Implantat tragen sowie an dem weiter vom Implantat entfernten Ohr telefonieren.“

Herzschrittmacher können in ihrer Funktion unter bestimmten Umständen durch elektromagnetische Felder (EMF) beeinflusst werden, was zu lebensbedrohlichen Situationen führen kann.

Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) (2003a) stellt im Hinblick auf medizinische Implantate fest, dass „(...) starke elektromagnetische Felder (...) elektronische Implantate, beispielsweise Herzschrittmacher, in ihrer Funktion beeinflussen (können). In der Regel werden Herzschrittmacher dabei auf eine feste Frequenz umgeschaltet. Der Schrittmacherpatient spürt meist eine solche Beeinflussung nicht. Eine Lebensgefährdung durch Störbeeinflussung ist sehr selten; sie kann im Alltag nur beim Zusammentreffen mehrerer ungünstiger Einflüsse auftreten.“

Es gibt dabei zwei grundsätzliche Möglichkeiten der Störung (Eggert et al. 1999:18; Bossert 1999):

Herzschrittmacher sind speziell empfindlich auf pulsförmige Signale und zwar besonders im Frequenzbereich des Herzschlages. Die Elektrode(n) im Körper des Schrittmachers kann für elektromagnetische Felder als Antenne wirken. Die Elektronik eines Herzschrittmachers ist auf die Verarbeitung schwacher, niederfrequenter elektrischer Signale ausgelegt. Hochfrequenzfelder von außen werden jedoch je nach Gerät intern unterschiedlich stark gleichgerichtet. Dies kommt einer Demodulation, also einer Trennung des Signals von seinem hochfrequenten Trägersignal, gleich. Durch derartige Überlagerungen kann es zur Beeinflussung der Funktion von Herzschrittmachern kommen.

Khosro Hekmat et al. 2003 haben in einer prospektiven Studie bei 200 Patienten mit modernen, permanenten Herzschrittmachersystemen das Ausmaß der Störbeeinflussung durch Mobilfunktelefone überprüft. Wie sich zeigte, konnte durch die Entwicklung von neuen Filtern in modernen Schrittmachern die Störbeeinflussung durch elektromagnetische Felder deutlich reduziert werden. Für die Untersuchung im Rahmen der halbjährlichen ambulanten Schrittmachernachuntersuchung wurde die Überprüfung mit einem GSM-Handy in unterschiedlichen Funkzuständen und Distanzen durchgeführt und mit fortlaufender EKG-Aufzeichnung dokumentiert. Nur vier Herzschrittmacher (zwei Prozent) zeigten eine Störbeeinflussung durch das Mobiltelefon. Bei einem Abstand der Mobilfunkantenne zum Schrittmacher von mehr als 2 cm konnte keine Störbeeinflussung festgestellt werden. Moderne Herzschrittmachersysteme zeigen somit eine niedrige Rate an Störbeeinflussung durch Mobilfunktelefone. Im Einzelfall kann eine individuelle Austestung mit geeigneter Programmierung der Schrittmacherempfindlichkeit das Risiko von Störbeeinflussungen weiter reduzieren.

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